Discussion:
abgelaufenes Urheberrecht
(zu alt für eine Antwort)
Rudolf Harras
2009-10-04 10:34:34 UTC
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Frage: Wenn jetzt irgendwo das Urheberrecht abgelaufen ist, in welcher
Form darf man die Sachen dann verwenden?

zB Fotos: Darf ich das Foto nur verwenden wenn ich im Besitz des
Originals bin oder eines Mediums dass bereits selbst so alt ist? Oder
darf man sich dieses Foto aus einer beliebigen gerade erschienenen
Zeitung rauskopieren, ist das dann sowas wie Public Domain?

Selbiges bei Musik:
Als Beispiel: Ein Lied von 1927. Muss ich im Besitz der originalen
Platte sein um daraus legale Kopien für jedermann erstellen zu können
oder darf ich dafür auch eine Neuauflage auf CD von 1992 verwenden?
Muss es bei Klassik eine Orchesteraufnahme vor 70 Jahren sein?
Livia
2009-10-04 13:35:03 UTC
Permalink
Post by Rudolf Harras
Frage: Wenn jetzt irgendwo das Urheberrecht abgelaufen ist, in welcher
Form darf man die Sachen dann verwenden?
zB Fotos: Darf ich das Foto nur verwenden wenn ich im Besitz des
Originals bin oder eines Mediums dass bereits selbst so alt ist? Oder
darf man sich dieses Foto aus einer beliebigen gerade erschienenen
Zeitung rauskopieren, ist das dann sowas wie Public Domain?
Als Beispiel: Ein Lied von 1927. Muss ich im Besitz der originalen
Platte sein um daraus legale Kopien für jedermann erstellen zu können
oder darf ich dafür auch eine Neuauflage auf CD von 1992 verwenden?
Muss es bei Klassik eine Orchesteraufnahme vor 70 Jahren sein?
Die Frage im Urheberrecht ist immer: wer ist der Urheber.
Im Falle eines Fotos ist das recht einfach: Der Urheber ist der
Fotograf. Dabei ist es unwichtig, was er fotografiert.
Wenn also etwa ein Fotograf ein Bild von Rembrandt fotografiert,
unterliegt der Rembrandt nicht dem Urheberrechtsgesetz, sehr wohl aber
das Foto des Bilds von Rembrandt. Bei deiner Frage ist die Frage, ob das
scannen eines alten Fotos schon die Schaffung eines neuen Werks ist oder
nicht. Wage ich nicht so aus dem Ärmel zu beurteilen.

Urheberrechtsgesetz
§ 3. (1) Zu den Werken der bildenden Künste im Sinne dieses Gesetzes
gehören auch die Werke der Lichtbildkunst (Lichtbildwerke), der Baukunst
und der angewandten Kunst (des Kunstgewerbes).
(2) Werke der Lichtbildkunst (Lichtbildwerke) sind durch ein
photographisches oder durch ein der Photographie ähnliches Verfahren
hergestellte Werke.
D.i. ALLE so hergestellten werke. Ist nun Scannen ein "der Photographie
ähnliches Verfahren"? Ich würde diese Antwort bejahen, aber ich bin
keine Richterin und schon gar nicht die Richterin, die das im Fall des
Falles beurteilen muss. Also um sicher zu gehen wäre es schon besser,
das Original zu haben.


Ähnlich in der Musik: Ist die CD von 1992 eine exakte einfach Kopie des
Liedes von 1927? Kein Urheberrecht. Ist die Neuauflage z.B. digitally
remastered oder sonstwie verändert? Streitfrage. Ist zwar ein Lied von
1927 verwendet worden, aber es haben aktuelle Künstler aufgeführt: Dann
haben diese Künstler zwar keine Rechte am Lied, aber sehr wohl an ihrer
Aufführung.

Urheberrechtsgesetz
§ 5. (1) Übersetzungen und andere Bearbeitungen werden, soweit sie eine
eigentümliche geistige Schöpfung des Bearbeiters sind, unbeschadet des
am bearbeiteten Werke bestehenden Urheberrechtes, wie Originalwerke
geschützt.

Und dabei sind Aufführungen alter Werke afaik eben "Bearbeitungen" im
Sinne des Gesetzes. So hab ich das zumindest vor ein paar Jahren in
einem Seminar von einem Rechtsanwalt gelernt.

Wennst es genau wissen willst, empfehle ich die Kanzlei Noll, Obereder
und no a poa (nein, so heißen die nicht, aber ich hab mir nicht alle
Namen gemerkt), in der Alser Str. 21 in Wien (Mit "Noll" und "Alser Str.
21" findest du die sicher). Die sind gut in Fragen des Urheberrechts.
Haben schon ein paar Leuten geholfen, die ich kenne.

Hth
Livia
Werner Tann
2009-10-04 17:17:20 UTC
Permalink
Post by Livia
Post by Rudolf Harras
Muss es bei Klassik eine Orchesteraufnahme vor 70 Jahren sein?
[...]
Post by Livia
Ähnlich in der Musik: Ist die CD von 1992 eine exakte einfach Kopie des
Liedes von 1927? Kein Urheberrecht.
... aber nur, wenn es sich um ein Werk ohne Urheberbezeichnung
handelt. Wenn ein Urheber genannt ist, muß der seit 70 Jahren tot
sein. Angenommen, der wäre erst 20 Jahre nach dem
Komponieren/Veröffentlichen des Liedes gestorben, also 1947, würde die
Schutzfrist erst 2017 enden.
Post by Livia
Ist die Neuauflage z.B. digitally
remastered oder sonstwie verändert? Streitfrage. Ist zwar ein Lied von
1927 verwendet worden, aber es haben aktuelle Künstler aufgeführt: Dann
haben diese Künstler zwar keine Rechte am Lied, aber sehr wohl an ihrer
Aufführung.
Wie hält man das eigentlich mit Orchesteraufnahmen? Gelten diese als
"ohne Urhebernennung"? Man kann ja schwer entweder alle Musiker
lebenslang verfolgen oder andererseits warten, bis die Plattenfirma,
die die Rechte an der Aufnahme hat, 70 Jahre nicht mehr existiert.
Wann endet z. B. die Schutzfrist der Aufnahme einer bestimmten
Beethovensymphonie mit den Berliner Philharmonikern unter Karajan?
Hier sind die Urheber eindeutig genannt. Vermutlich zählt aber der Tag
des Konzerts (oder der Tag der Platten/CD-Erstveröffentlichung)?
Livia
2009-10-04 19:55:36 UTC
Permalink
Post by Werner Tann
... aber nur, wenn es sich um ein Werk ohne Urheberbezeichnung
handelt. Wenn ein Urheber genannt ist, muß der seit 70 Jahren tot
sein. Angenommen, der wäre erst 20 Jahre nach dem
Komponieren/Veröffentlichen des Liedes gestorben, also 1947, würde die
Schutzfrist erst 2017 enden.
Stimmt natürlich. Sorry, hab glatt vergessen, dass die 70-Jahre-Frist ja
erst mit dem Tod des urhebers beginnt.
Post by Werner Tann
Wie hält man das eigentlich mit Orchesteraufnahmen? Gelten diese als
"ohne Urhebernennung"? Man kann ja schwer entweder alle Musiker
lebenslang verfolgen oder andererseits warten, bis die Plattenfirma,
die die Rechte an der Aufnahme hat, 70 Jahre nicht mehr existiert.
Wann endet z. B. die Schutzfrist der Aufnahme einer bestimmten
Beethovensymphonie mit den Berliner Philharmonikern unter Karajan?
Hier sind die Urheber eindeutig genannt. Vermutlich zählt aber der Tag
des Konzerts (oder der Tag der Platten/CD-Erstveröffentlichung)?
Im Gesetz steht nur "Urheber eines Werkes ist, wer es geschaffen hat".
Da steht nix davon drin, ob das nun eine natürliche oder juristische
Person sein muss. AFAIK ist ein Orchester meist eine juristische Person.
Also müsste doch die Frist erst mit der Auflösung des Orchesters
beginnen. Ist aber jetzt wieder einmal nur Laienverstand.
Mit Urheberrecht habe ich mich im Zusammenhang mit Zeitungen
beschäftigt. Tonaufnahmen standen da irgendwie net wirklich im
Mittelpunkt. ;-))

Livia
Thomas Koller
2009-10-05 08:11:51 UTC
Permalink
Post by Livia
Post by Werner Tann
Wie hält man das eigentlich mit Orchesteraufnahmen? Gelten diese als
"ohne Urhebernennung"? Man kann ja schwer entweder alle Musiker
lebenslang verfolgen oder andererseits warten, bis die Plattenfirma,
die die Rechte an der Aufnahme hat, 70 Jahre nicht mehr existiert.
Wann endet z. B. die Schutzfrist der Aufnahme einer bestimmten
Beethovensymphonie mit den Berliner Philharmonikern unter Karajan?
Hier sind die Urheber eindeutig genannt. Vermutlich zählt aber der Tag
des Konzerts (oder der Tag der Platten/CD-Erstveröffentlichung)?
Im Gesetz steht nur "Urheber eines Werkes ist, wer es geschaffen hat".
Da steht nix davon drin, ob das nun eine natürliche oder juristische
Person sein muss.
Es geht aber indirekt daraus hervor, dass nur natürliche Personen
Urheber sein können, da juristische Personen keine eigentümlichen
geistige Schöpfungen machen können. (Roboter, Programme etc. die
selbst kreativ sein können, und selbstständig schützenswerte Werke
schaffen können sind derzeit noch Science Fiction).
Post by Livia
AFAIK ist ein Orchester meist eine juristische Person.
Urheber ist nicht "das Orchester", sondern die mitwirkenden Künstler.
Siehe auch den Paragraphen über "Miturheber".
Wobei "das Orchester" als juristische Person dann durchaus die
exklusiven Verwertungsrechte haben kann (und in der Regel wohl auch
haben wird).
Post by Livia
Also müsste doch die Frist erst mit der Auflösung des Orchesters
beginnen. Ist aber jetzt wieder einmal nur Laienverstand.
Siehe oben, da nur natürliche Personen Urheber sein können, stellt
sich das Problem nicht. Würde man auch juristischen Personen
zugestehen geistige Schöpfungen erstellen zu können, müsste man
meinem Laienverstand die meisten diversen Stellen mit dem Tod
entsprechend anpassen. :-)

Tom
Werner Tann
2009-10-05 13:10:29 UTC
Permalink
Post by Thomas Koller
Siehe oben, da nur natürliche Personen Urheber sein können, stellt
sich das Problem nicht. Würde man auch juristischen Personen
zugestehen geistige Schöpfungen erstellen zu können, müsste man
meinem Laienverstand die meisten diversen Stellen mit dem Tod
entsprechend anpassen. :-)
Aha. Und wie lautet nun die Antwort auf die Frage " Wann endet z. B.
die Schutzfrist der Aufnahme einer bestimmten Beethovensymphonie mit
den Berliner Philharmonikern unter Karajan?"
Matthias Kahlert
2009-10-05 14:10:57 UTC
Permalink
Post by Werner Tann
Aha. Und wie lautet nun die Antwort auf die Frage " Wann endet z. B.
die Schutzfrist der Aufnahme einer bestimmten Beethovensymphonie mit
den Berliner Philharmonikern unter Karajan?"
70 Jahre nach dem Tod des letzten Mitwirkenden, nehme ich an. Ist
natürlich uU schwer feststellbar, wer da vor 120 Jahren gerade am 5.
Pult 2. Geige links gesessen ist...
--
Matthias
Bernd Petrovitsch
2009-10-05 17:16:08 UTC
Permalink
Post by Matthias Kahlert
Post by Werner Tann
Aha. Und wie lautet nun die Antwort auf die Frage " Wann endet z. B.
die Schutzfrist der Aufnahme einer bestimmten Beethovensymphonie mit
den Berliner Philharmonikern unter Karajan?"
70 Jahre nach dem Tod des letzten Mitwirkenden, nehme ich an. Ist
So ist es.
Aber die Mitwirkenden in obigem Fall könnten ja jegliche Nutzungsrechte
exklusiv dem Veranstalter übertragen haben (was ich bei angetsellten
Musikern erwarten würde), dann wird es wieder einfacher.
Nur die nicht-übertragbaren Rechte aus dem UrhG bleiben dann über.
Post by Matthias Kahlert
natürlich uU schwer feststellbar, wer da vor 120 Jahren gerade am 5.
Pult 2. Geige links gesessen ist...
man "Beweislast", würde och dann meinen.

Bernd, NAL
--
Post by Matthias Kahlert
Glaub mir, in der Datenverarbeitung ist es unumstritten, daß man am
wenigsten Ärger hat wenn man 4 Elementen die Nummern 0 bis 3 zuordnet.
Die Frage ist allerdings, ob man sich den Vorteilen der DV unterwirft, oder
ein eigenes Ordnungssystem aufstellt. --- P. Renner und H. Blüml in a.g.r
Thomas Koller
2009-10-05 18:10:49 UTC
Permalink
Post by Bernd Petrovitsch
Post by Matthias Kahlert
Post by Werner Tann
Aha. Und wie lautet nun die Antwort auf die Frage " Wann endet z. B.
die Schutzfrist der Aufnahme einer bestimmten Beethovensymphonie mit
den Berliner Philharmonikern unter Karajan?"
70 Jahre nach dem Tod des letzten Mitwirkenden, nehme ich an. Ist
So ist es.
Aber die Mitwirkenden in obigem Fall könnten ja jegliche Nutzungsrechte
exklusiv dem Veranstalter übertragen haben (was ich bei angetsellten
Musikern erwarten würde), dann wird es wieder einfacher.
Nur die nicht-übertragbaren Rechte aus dem UrhG bleiben dann über.
Inwiefern wird es denn dadurch einfacher? Ich dachte die Nutzungsrechte
haben dasselbe Ablaufdatum wie die Urheberrechte. Soll heissen, egal
ob die Rechte abgetreten wurden oder nicht, wenn ichs gratis nutzen
will müssen alle Urheber entsprechend lange tot sein.

Einfacher wirds nur, falls das Urheberrecht noch nicht abgelaufen
ist, dann muss ich nicht jeden extra zahlen, sondern nur die eine
Verwertungsgesellschaft.

Oder hab ich da was falsch verstanden?

Tom
Bernd Petrovitsch
2009-10-05 18:51:16 UTC
Permalink
Post by Thomas Koller
Post by Bernd Petrovitsch
Post by Matthias Kahlert
Post by Werner Tann
Aha. Und wie lautet nun die Antwort auf die Frage " Wann endet z. B.
die Schutzfrist der Aufnahme einer bestimmten Beethovensymphonie mit
den Berliner Philharmonikern unter Karajan?"
70 Jahre nach dem Tod des letzten Mitwirkenden, nehme ich an. Ist
So ist es.
Aber die Mitwirkenden in obigem Fall könnten ja jegliche Nutzungsrechte
exklusiv dem Veranstalter übertragen haben (was ich bei angetsellten
Musikern erwarten würde), dann wird es wieder einfacher.
Nur die nicht-übertragbaren Rechte aus dem UrhG bleiben dann über.
Inwiefern wird es denn dadurch einfacher? Ich dachte die Nutzungsrechte
haben dasselbe Ablaufdatum wie die Urheberrechte. Soll heissen, egal
Naja, die eingeräumten Nutzungsrechte bringen ja eigentlich nur was, wenn es
wer anderer sonst nicht benutzen darf.
Post by Thomas Koller
ob die Rechte abgetreten wurden oder nicht, wenn ichs gratis nutzen
will müssen alle Urheber entsprechend lange tot sein.
Oder der Rechteinhaber erlaubt es (Dir) explizit (warum auch immer) - auch
bevor der letzte Miturheber 70 Jahre tot ist.
Post by Thomas Koller
Einfacher wirds nur, falls das Urheberrecht noch nicht abgelaufen
ist, dann muss ich nicht jeden extra zahlen, sondern nur die eine
s/zahlen/eine Vereinbarung treffen/
Wird wohl oft auf "zahlen + Bedingungen" hinauslaufen, muß aber nicht.
Post by Thomas Koller
Verwertungsgesellschaft.
Oder hab ich da was falsch verstanden?
So war es gemeint: Es wird einfacher, weil man idR nicht -zig einzelne
Rechteinhaber hat (die man auch erstmal finden muß), sondern idR nur einen
(der leicht auffindbar sein wird, wenn er von der Rechteverwertung lebt
....).
Am Ablaufdaten etc. ändert sich deshalb mbljMn nichts.

Bernd
--
Post by Thomas Koller
Glaub mir, in der Datenverarbeitung ist es unumstritten, daß man am
wenigsten Ärger hat wenn man 4 Elementen die Nummern 0 bis 3 zuordnet.
Die Frage ist allerdings, ob man sich den Vorteilen der DV unterwirft, oder
ein eigenes Ordnungssystem aufstellt. --- P. Renner und H. Blüml in a.g.r
Wolfgang Decker
2009-10-04 18:37:02 UTC
Permalink
Post by Rudolf Harras
Frage: Wenn jetzt irgendwo das Urheberrecht abgelaufen ist, in welcher
Form darf man die Sachen dann verwenden?
Wenn das Urheberrecht abgelaufen ist, darfst du das Werk in allen Formen
verwenden.
Post by Rudolf Harras
zB Fotos: Darf ich das Foto nur verwenden wenn ich im Besitz des
Originals bin oder eines Mediums dass bereits selbst so alt ist? Oder
darf man sich dieses Foto aus einer beliebigen gerade erschienenen
Zeitung rauskopieren, ist das dann sowas wie Public Domain?
Wenn der Urheber des Fotos (also im Normalfall der Fotograph) 70 Jahre
lang tot ist, kannst du das Foto frei verwenden. Fotographiert ein
Fotograph ein vor 200 Jahren entstandenes Bild und bildet dieses in
einer Zeitung ab, muss der Fotograph 70 Jahre tot sein, nicht der Maler
des Bildes.
Wird ein Negativ eines vor 80 Jahren verstorbenen Fotographen einfach
eingescannt und in einer Zeitung veröffentlicht, kannst du es IMHO frei
verwenden, da das reine Einscannen IMHO kein eigenes Werk darstellt.
Post by Rudolf Harras
Als Beispiel: Ein Lied von 1927. Muss ich im Besitz der originalen
Platte sein um daraus legale Kopien für jedermann erstellen zu können
oder darf ich dafür auch eine Neuauflage auf CD von 1992 verwenden?
Muss es bei Klassik eine Orchesteraufnahme vor 70 Jahren sein?
Also Orchesteraufnahmen kannst du nicht einfach verwenden, da jede
Aufnahme ein eigenes Werk ist. Nur weil der Komponist des
Radetzkymarsches schon länger als 70 Jahre tot ist, kannst du nicht
einfach einen Mitschnitt des Neujahrskonzertes der Wiener Philharmoniker
nehmen und verkaufen.

lg
Wolfgang
--
»Du kennst mich doch, ich hab' nichts gegen Fremde.
Einige meiner besten Freunde sind Fremde.
Aber diese Fremden da sind nicht von hier!« (Methusalix)
Neu: http://www.traumrouten.com/namibia
Helmut Wabnig
2009-10-04 22:05:27 UTC
Permalink
On Sun, 04 Oct 2009 20:37:02 +0200, Wolfgang Decker
Post by Wolfgang Decker
Post by Rudolf Harras
Frage: Wenn jetzt irgendwo das Urheberrecht abgelaufen ist, in welcher
Form darf man die Sachen dann verwenden?
Wenn das Urheberrecht abgelaufen ist, darfst du das Werk in allen Formen
verwenden.
Post by Rudolf Harras
zB Fotos: Darf ich das Foto nur verwenden wenn ich im Besitz des
Originals bin oder eines Mediums dass bereits selbst so alt ist? Oder
darf man sich dieses Foto aus einer beliebigen gerade erschienenen
Zeitung rauskopieren, ist das dann sowas wie Public Domain?
Wenn der Urheber des Fotos (also im Normalfall der Fotograph) 70 Jahre
lang tot ist, kannst du das Foto frei verwenden. Fotographiert ein
Fotograph ein vor 200 Jahren entstandenes Bild und bildet dieses in
einer Zeitung ab, muss der Fotograph 70 Jahre tot sein, nicht der Maler
des Bildes.
Wird ein Negativ eines vor 80 Jahren verstorbenen Fotographen einfach
eingescannt und in einer Zeitung veröffentlicht, kannst du es IMHO frei
verwenden, da das reine Einscannen IMHO kein eigenes Werk darstellt.
Post by Rudolf Harras
Als Beispiel: Ein Lied von 1927. Muss ich im Besitz der originalen
Platte sein um daraus legale Kopien für jedermann erstellen zu können
oder darf ich dafür auch eine Neuauflage auf CD von 1992 verwenden?
Muss es bei Klassik eine Orchesteraufnahme vor 70 Jahren sein?
Also Orchesteraufnahmen kannst du nicht einfach verwenden, da jede
Aufnahme ein eigenes Werk ist. Nur weil der Komponist des
Radetzkymarsches schon länger als 70 Jahre tot ist, kannst du nicht
einfach einen Mitschnitt des Neujahrskonzertes der Wiener Philharmoniker
nehmen und verkaufen.
lg
Wolfgang
nachdem es praktisch nix gibt was frei wäre,
hab ich meine Gitarre hervorgekramt und übe wieder.

Muß meine Filmmusik wohl selber machen.
Aahh...die ätzenden Kommentare von den Youtubern....

Aber echt, frei gibt es NICHTS !

w.
Rudolf Harras
2009-10-04 23:00:46 UTC
Permalink
Post by Helmut Wabnig
nachdem es praktisch nix gibt was frei wäre,
hab ich meine Gitarre hervorgekramt und übe wieder.
Muß meine Filmmusik wohl selber machen.
Aahh...die ätzenden Kommentare von den Youtubern....
Aber echt, frei gibt es NICHTS !
So schlimm ist es nicht!

Schau mal bei www.jamendo.com - hier gibt es Musik nach der Creative
Commons Lizenz. Du kannst auch nach Musikstücken suchen bei denen
erlaubt ist dass man sie auch kommerziell verwenden darf.

Einen Haken gibt es zwar nicht, aber was hier glaube ich schon mal
diskutiert wurde und problematisch sein könnte: Was passiert wenn ein
Scherzkeks ein Lied raufladet auf dass es ein Urheberrecht gibt? Oder
wenn jemand direkt mit seinem Lied eine Urheberrechtsverletzung begangen
hat? Dann wirds wieder kompliziert. Während man zB bei einem gestohlenen
(!) Fahrrad das nichtmal zurückgeben muss wenn man es in guten Glauben
gekauft hat gilt sowas bei Urheberrechtsverletzungen nicht. Tolle
Gesetze... :(

Aber generell kann ich die Seite empfehlen, mann muss zwar etwas suchen,
aber es gibt viele gute Bands dabei! Weiters hat ein Gericht in Spanien
schon bestätigt dass ein Discobetreiber der nur Creative Commons Musik
spielt keine AKM-Gebühren (bzw. wie die halt in Spanien heißen) zahlen
muß!
Wolfgang Decker
2009-10-05 05:40:10 UTC
Permalink
Post by Helmut Wabnig
nachdem es praktisch nix gibt was frei wäre,
hab ich meine Gitarre hervorgekramt und übe wieder.
Muß meine Filmmusik wohl selber machen.
Aahh...die ätzenden Kommentare von den Youtubern....
Aber echt, frei gibt es NICHTS !
Das stimmt nicht, es gibt genug freie Musik, auch zum Downloaden.

lg
Wolfgang
--
»Du kennst mich doch, ich hab' nichts gegen Fremde.
Einige meiner besten Freunde sind Fremde.
Aber diese Fremden da sind nicht von hier!« (Methusalix)
Neu: http://www.traumrouten.com/namibia
Werner Tann
2009-10-05 13:09:12 UTC
Permalink
Post by Wolfgang Decker
Also Orchesteraufnahmen kannst du nicht einfach verwenden, da jede
Aufnahme ein eigenes Werk ist. Nur weil der Komponist des
Radetzkymarsches schon länger als 70 Jahre tot ist, kannst du nicht
einfach einen Mitschnitt des Neujahrskonzertes der Wiener Philharmoniker
nehmen und verkaufen.
Das hat hier keiner bezweifelt. Es geht nicht um Johann Strauss und
Beethoven, sondern um in den letzten 70 Jahren veröffentlichte
Konzertmitschnitte, auf denen jedenfalls aktuell Urheberrecht drauf
ist.

Ab wann ist das Neujahrskonzert von 2009 "frei", und warum?
Rudolf Harras
2009-10-05 13:14:39 UTC
Permalink
Post by Werner Tann
Ab wann ist das Neujahrskonzert von 2009 "frei", und warum?
Erst wenn das letzte Orchestermitglied 70 jahre tot ist. ;)
Hui, das bildet eine gute Grundlage für einen Krimi!
Wolfgang Decker
2009-10-05 13:36:01 UTC
Permalink
Post by Werner Tann
Ab wann ist das Neujahrskonzert von 2009 "frei", und warum?
Ich würde hier den §63 Urheberrechtsgesetz in Betracht ziehen.
Urheber des Neujahrskonzerts sind alle beteiligten Musiker.
Die sind aber - AFAIK - nicht alle namentlich angeführt.

§ 61. Das Urheberrecht an Werken, deren Urheber (§ 10 Abs. 1) nicht auf
eine Art bezeichnet worden ist, die nach § 12 die Vermutung der
Urheberschaft begründet, endet siebzig Jahre nach ihrer Schaffung. Wenn
aber das Werk vor dem Ablauf dieser Frist veröffentlicht wird, endet das
Urheberrecht siebzig Jahre nach der Veröffentlichung.

Sind tatsächlich auf der CD alle beteiligten Musiker (und wahrscheinlich
auch der Dirigent) namentlich angeführt, dann würde ich die 70 Jahre
nach dem Tod des letzten Musikers als Frist sehen.

Aber: IANAL

lg
Wolfgang
--
»Du kennst mich doch, ich hab' nichts gegen Fremde.
Einige meiner besten Freunde sind Fremde.
Aber diese Fremden da sind nicht von hier!« (Methusalix)
Neu: http://www.traumrouten.com/namibia
Werner Tann
2009-10-05 20:07:50 UTC
Permalink
Post by Wolfgang Decker
§ 61. Das Urheberrecht an Werken, deren Urheber (§ 10 Abs. 1) nicht auf
eine Art bezeichnet worden ist, die nach § 12 die Vermutung der
Urheberschaft begründet, endet siebzig Jahre nach ihrer Schaffung. Wenn
aber das Werk vor dem Ablauf dieser Frist veröffentlicht wird, endet das
Urheberrecht siebzig Jahre nach der Veröffentlichung.
Sind tatsächlich auf der CD alle beteiligten Musiker (und wahrscheinlich
auch der Dirigent) namentlich angeführt, dann würde ich die 70 Jahre
nach dem Tod des letzten Musikers als Frist sehen.
Auf Klassik-CDs ist neben dem Namen des Orchesters der Dirigent in
aller Regel angegeben, natürlich werden auch Geigen- und
Klaviervirtuosen immer genannt, von Opern mit langer Liste der Sänger
ganz zu schweigen. Konkret vom angesprochenen Neujahrskonzert 2009
gibt's auch eine DVD, auf der neben dem Dirigenten Barenboim
zusätzlich der Regisseur Brian Large genannt ist.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß im Kommentar zum
Urheberrechtsgesetz nicht deutlich gesagt wird, ob nun 70 Jahre nach
Erscheinen der CD/DVD oder 70 Jahre nach dem Tod des Dirigenten, des
Regisseurs und namentlich genannter Künstler der Schutz erlischt.

Diesem Durcheinander ist wirklich nur mit der Forderung der
Piratenpartei zu begegnen, die bekanntlich 5 Jahre nach
Veröffentlichung jedes Werk gänzlich freigegeben sehen will.
Thomas Koller
2009-10-06 06:13:40 UTC
Permalink
Post by Werner Tann
Post by Wolfgang Decker
§ 61. Das Urheberrecht an Werken, deren Urheber (§ 10 Abs. 1) nicht auf
eine Art bezeichnet worden ist, die nach § 12 die Vermutung der
Urheberschaft begründet, endet siebzig Jahre nach ihrer Schaffung. Wenn
aber das Werk vor dem Ablauf dieser Frist veröffentlicht wird, endet das
Urheberrecht siebzig Jahre nach der Veröffentlichung.
Sind tatsächlich auf der CD alle beteiligten Musiker (und wahrscheinlich
auch der Dirigent) namentlich angeführt, dann würde ich die 70 Jahre
nach dem Tod des letzten Musikers als Frist sehen.
Auf Klassik-CDs ist neben dem Namen des Orchesters der Dirigent in
aller Regel angegeben, natürlich werden auch Geigen- und
Klaviervirtuosen immer genannt, von Opern mit langer Liste der Sänger
ganz zu schweigen. Konkret vom angesprochenen Neujahrskonzert 2009
gibt's auch eine DVD, auf der neben dem Dirigenten Barenboim
zusätzlich der Regisseur Brian Large genannt ist.
Bei Filmen gibts auch noch andere wesentliche Leute, z.b. der
Kameramann, der zweifelsfrei auch Miturheber ist.
Post by Werner Tann
Ich kann mir nicht vorstellen, daß im Kommentar zum
Urheberrechtsgesetz nicht deutlich gesagt wird, ob nun 70 Jahre nach
Erscheinen der CD/DVD oder 70 Jahre nach dem Tod des Dirigenten, des
Regisseurs und namentlich genannter Künstler der Schutz erlischt.
afaik ist namentliche Nennung nicht wirklich nötig. Urheber ist man
auch z.b. als ungenannter Ghostwriter.
Post by Werner Tann
Diesem Durcheinander ist wirklich nur mit der Forderung der
Piratenpartei zu begegnen, die bekanntlich 5 Jahre nach
Veröffentlichung jedes Werk gänzlich freigegeben sehen will.
Welches Durcheinander siehst du denn? Im Zweifel muss ein Gericht
entscheiden ob der 2. Geiger jetzt ein Miturheber ist (und dann auch
die entsprechenden Rechte am Werk hat) oder blos ein Gehilfe.

Ist auch nicht viel anders als bei unserer "geliebten" StVO, bei der
erst die Gerichte entscheiden was denn ein ausreichender
Geschwindigkeitsunterschied beim überholen ist, und nicht der
Gesetzgeber.

Die Forderung der Piratenpartei kann man aber natürlich auch ganz
ohne Chaos unterstützen, aber das ist eine politische Frage. :-)

Tom
Werner Tann
2009-10-06 09:43:09 UTC
Permalink
Post by Thomas Koller
Post by Werner Tann
Diesem Durcheinander ist wirklich nur mit der Forderung der
Piratenpartei zu begegnen, die bekanntlich 5 Jahre nach
Veröffentlichung jedes Werk gänzlich freigegeben sehen will.
Welches Durcheinander siehst du denn? Im Zweifel muss ein Gericht
entscheiden ob der 2. Geiger jetzt ein Miturheber ist (und dann auch
die entsprechenden Rechte am Werk hat) oder blos ein Gehilfe.
Wenn ich einen Richter brauche, um zu wissen, ob ich eine vor 71
Jahren erschienene Schallplatte via Filesharing im Internet verbreiten
darf, dann nenne ich das Durcheinander, ja.
Post by Thomas Koller
Ist auch nicht viel anders als bei unserer "geliebten" StVO, bei der
erst die Gerichte entscheiden was denn ein ausreichender
Geschwindigkeitsunterschied beim überholen ist, und nicht der
Gesetzgeber.
Ermessensfragen beim Urheberrecht? Naja.
Thomas Koller
2009-10-06 11:05:46 UTC
Permalink
Post by Werner Tann
Post by Thomas Koller
Post by Werner Tann
Diesem Durcheinander ist wirklich nur mit der Forderung der
Piratenpartei zu begegnen, die bekanntlich 5 Jahre nach
Veröffentlichung jedes Werk gänzlich freigegeben sehen will.
Welches Durcheinander siehst du denn? Im Zweifel muss ein Gericht
entscheiden ob der 2. Geiger jetzt ein Miturheber ist (und dann auch
die entsprechenden Rechte am Werk hat) oder blos ein Gehilfe.
Wenn ich einen Richter brauche, um zu wissen, ob ich eine vor 71
Jahren erschienene Schallplatte via Filesharing im Internet verbreiten
darf, dann nenne ich das Durcheinander, ja.
Du brauchst keinen Richter um das zu wissen, den Richter brauchst du
nur, wenn du der Meinung bist "Person X" ist nicht Urheber, und
"Person X" der Meinung ist, "doch ich bin Miturheber" und dich
verklagt. Eigentlich wie überall im Leben.
Post by Werner Tann
Post by Thomas Koller
Ist auch nicht viel anders als bei unserer "geliebten" StVO, bei der
erst die Gerichte entscheiden was denn ein ausreichender
Geschwindigkeitsunterschied beim überholen ist, und nicht der
Gesetzgeber.
Ermessensfragen beim Urheberrecht? Naja.
Wie willst du die Grenze zwischen (Mit-)Urheber und Gehilfen so
formulieren, dass im Zweifel ohne Ermessen objektiv entschieden
werden kann, ob der kreative Beitrag des Gehilfen ausreichend gross
ist?

Oder auch die Grenze für schöpferische Tätigkeit. Wie willst du
die Grenze formulieren sodass es kein Ermessen für ein Gericht gibt
ob jetzt z.b. ein bestimmtes Usenetposting Schöpfungshöhe hat oder nicht?

Tom
Werner Tann
2009-10-06 17:24:36 UTC
Permalink
Post by Thomas Koller
Post by Werner Tann
Wenn ich einen Richter brauche, um zu wissen, ob ich eine vor 71
Jahren erschienene Schallplatte via Filesharing im Internet verbreiten
darf, dann nenne ich das Durcheinander, ja.
Du brauchst keinen Richter um das zu wissen, den Richter brauchst du
nur, wenn du der Meinung bist "Person X" ist nicht Urheber, und
"Person X" der Meinung ist, "doch ich bin Miturheber" und dich
verklagt. Eigentlich wie überall im Leben.
Natürlich brauche ich dazu den Richter, denn er ist es, der sich dann
entweder meiner oder der Meinung des Miturhebers anschließt. Was ist
das denn für eine Rechtssicherheit, wenn nirgends klipp und klar
festgelegt ist, ob der Sohn des mehr oder minder namenlosen Paukisten,
der in der ganzen Symphonie ein einziges Mal draufgehaut hat und tags
darauf gestorben ist, heute aber noch nicht 70 Jahre unter der Erde
ist, vor Gericht auch nur die geringste Chance hat, mit seiner
"Meinung" durchzukommen.
Post by Thomas Koller
Wie willst du die Grenze zwischen (Mit-)Urheber und Gehilfen so
formulieren, dass im Zweifel ohne Ermessen objektiv entschieden
werden kann, ob der kreative Beitrag des Gehilfen ausreichend gross
ist?
Würden tatsächlich nicht-genannte Orchestermitglieder im Urheberrecht
eine Rolle spielen, wäre das Gesetz eine Farce, weil man de facto erst
150 Jahre nach Veröffentlichung des Konzerts ruhigen Gewissens davon
ausgehen kann, daß alle Beteiligten das Zeitliche gesegnet haben
(20jähriger Musiker, lebt noch 80 Jahre, und 70 Jahre müssen nach
seinem Tod verstreichen). Farce auch deshalb, weil ja niemand glauben
wird, daß in einer solch langen Zeit das Urheberrecht nicht noch 10mal
verändert wird. Da bräuchte man kein Gesetz bzw. könnte es ganz kurz
fassen: Alle Schallplatten, CDs und DVDs, auf dem auch nur ein Urheber
draufsteht, sind "vorerst ewig" geschützt. Okay, das ist polemisch,
aber darauf liefe es doch hinaus, wenn irgendein namenloses
Orchestermitglied oder dessen Nachkomme einen verklagen kann, wenn man
das Werk verbreitet,
Heinrich Moser
2009-10-06 20:21:37 UTC
Permalink
Hi!
[...] Da bräuchte man kein Gesetz bzw. könnte es ganz kurz
fassen: Alle Schallplatten, CDs und DVDs, auf dem auch nur ein Urheber
draufsteht, sind "vorerst ewig" geschützt. Okay, das ist polemisch,
aber darauf liefe es doch hinaus, wenn irgendein namenloses
Orchestermitglied oder dessen Nachkomme einen verklagen kann, wenn man
das Werk verbreitet,
Genau. Und wenn du dich an diese einfache, simple Regel hältst,
brauchst du auch keinen Richter. ;-)

Scherz beiseite; die Sache ist doch für die meisten Fälle wirklich
eindeutig. Hand aufs Herz: Wie oft hast du in den letzten Jahren das
Problem gehabt, eine 70-120 Jahre alte Schallplatten-
Orchesteraufnahme komerziell vervielfältigen oder veröffentlichen zu
müssen? Daraus eine grundsätzliches, strukturelles Problem des
Urheberrechts abzuleiten klingt doch sehr nach Alibi-Argumentation, um
gegen die unliebsame 70-Jahres-Frist vorzugehen (die auch ich für zu
lange halte, aber das ist wieder ein anderes Thema).

LG,
Heinzi
Werner Tann
2009-10-07 11:13:51 UTC
Permalink
Post by Heinrich Moser
eindeutig. Hand aufs Herz: Wie oft hast du in den letzten Jahren das
Problem gehabt, eine 70-120 Jahre alte Schallplatten-
Orchesteraufnahme komerziell vervielfältigen oder veröffentlichen zu
müssen?
Seit wann ist nicht-kommerzielle Verbreitung á la Tauschbörsen legal?
(AFAIK stand das Verbot des Uploads nie in Frage, allenfalls beim
Download scheiden sich die Geister.)
Heinrich Moser
2009-10-07 12:08:10 UTC
Permalink
Post by Werner Tann
Post by Heinrich Moser
eindeutig. Hand aufs Herz: Wie oft hast du in den letzten Jahren das
Problem gehabt, eine 70-120 Jahre alte Schallplatten-
Orchesteraufnahme komerziell vervielfältigen oder veröffentlichen zu
müssen?
Seit wann ist nicht-kommerzielle Verbreitung á la Tauschbörsen legal?
Ist sie eh nicht; mein Satz war so gemeint: "... (a) komerziell
vervielfältigen oder (b) veröffentlichen". Die Verbreitung über
Tauschbörsen fällt IMHO unter (b).
Post by Werner Tann
(AFAIK stand das Verbot des Uploads nie in Frage, allenfalls beim
Download scheiden sich die Geister.)
Ack.

LG,
Heinzi
Werner Tann
2009-10-07 12:19:26 UTC
Permalink
Post by Heinrich Moser
Post by Heinrich Moser
eindeutig. Hand aufs Herz: Wie oft hast du in den letzten Jahren das
Problem gehabt, eine 70-120 Jahre alte Schallplatten-
Orchesteraufnahme komerziell vervielfältigen oder veröffentlichen zu
müssen?
Ist sie eh nicht; mein Satz war so gemeint: "... (a) komerziell
vervielfältigen oder (b) veröffentlichen". Die Verbreitung über
Tauschbörsen fällt IMHO unter (b).
Nun gut, ich denke, es gibt von alten Orchesteraufnahmen viele Fans,
die "das Problem haben", sie in Tauschbörsen "veröffentlichen" zu
wollen - und ein ungutes Gefühl von wegen Urheberrecht haben.
Heinrich Moser
2009-10-07 19:52:03 UTC
Permalink
Post by Werner Tann
Post by Heinrich Moser
Post by Heinrich Moser
eindeutig. Hand aufs Herz: Wie oft hast du in den letzten Jahren das
Problem gehabt, eine 70-120 Jahre alte Schallplatten-
Orchesteraufnahme komerziell vervielfältigen oder veröffentlichen zu
müssen?
Ist sie eh nicht; mein Satz war so gemeint: "... (a) komerziell
vervielfältigen oder (b) veröffentlichen". Die Verbreitung über
Tauschbörsen fällt IMHO unter (b).
Nun gut, ich denke, es gibt von alten Orchesteraufnahmen viele Fans,
die "das Problem haben", sie in Tauschbörsen "veröffentlichen" zu
wollen - und ein ungutes Gefühl von wegen Urheberrecht haben.
Naja, wenn man sich nicht sicher ist, veröffentlicht man sie eben
nicht. Das gleiche Problem hätte ich, wenn ich meinen Senf über
irgendeinen Politiker veröffentlichen wollte, und nicht wüsste, ob das
nun die Grenze der "üblen Nachrede" überschreitet oder nicht. Oder
wenn ich eine fremde Zeichnung ins Internet stellen möchte und nicht
wüsste, ob das jetzt die Schöpfungshöhe erfüllt oder nicht.

Es gibt halt einfach viele Dinge, die ich wohl theoretisch tun dürfte,
die aber noch nicht eindeutig ausjudiziert sind.

LG,
Heinzi
Werner Tann
2009-10-08 10:37:38 UTC
Permalink
Post by Heinrich Moser
Es gibt halt einfach viele Dinge, die ich wohl theoretisch tun dürfte,
die aber noch nicht eindeutig ausjudiziert sind.
Und ich hatte seinerzeit einmal gelernt, daß der große
zivilisatorische Fortschritt des geschriebenen Rechts der sei, daß die
Mitglieder der entsprechenden Sozietät immer wüßten, wie sie dran
seien und nicht ein Stammeshäuptling mal dies, mal das für Recht
befinden könne, je nachdem, wie die Wolken stünden, wie gut ihm das
Frühstück geschmeckt habe und wie sympathisch ihm der Beschuldigte
sei. Aber heut' ist alles leider so "komplex", was konkret bedeutet,
daß viele Gesetze in ihrer Abstraktheit sozusagen unfertig sind, bis
sie, wie der Jurist das nennt, "ausjudiziert" sind. Wenn das der Fall
ist, reformiert man das Gesetz, auf daß es wieder die unfertige
Abstraktheit habe, mit der kein Enduser, sprich Staatsbürger, etwas
praktisch anfangen kann.

Wolfgang Decker
2009-10-06 14:20:25 UTC
Permalink
Post by Werner Tann
Wenn ich einen Richter brauche, um zu wissen, ob ich eine vor 71
Jahren erschienene Schallplatte via Filesharing im Internet verbreiten
darf, dann nenne ich das Durcheinander, ja.
Kommt drauf an, was da drauf ist.
Wenn's eine von Frank Sinatra (hat der 1937 schon eine Platte
aufgenommen?) ist, würd ich damit warten.

Wenn's eine Aufnahme eines Orchesters ist, bei dem keine Einzelkünstler
angeführt sind, gibt's IMHO kein Problem.

lg
Wolfgang
--
»Du kennst mich doch, ich hab' nichts gegen Fremde.
Einige meiner besten Freunde sind Fremde.
Aber diese Fremden da sind nicht von hier!« (Methusalix)
Neu: http://www.traumrouten.com/namibia
Martin Pokorny
2009-10-07 12:31:02 UTC
Permalink
Post by Werner Tann
Ab wann ist das Neujahrskonzert von 2009 "frei", und warum?
Im Jahr 2060: 50 Jahre nach der Aufführung / Veröffentlichung, wobei das
Jahr der Veröffentlichung nicht mitzuzählen ist (UrhG §64).

Quelle: Urheberrechtsgesetz §67, Abs.1

| § 67. (1) Die Verwertungsrechte der im § 66 Abs. 1 und 5
| bezeichneten Personen erlöschen fünfzig Jahre nach dem Vortrag
| oder der Aufführung, wenn aber vor dem Ablauf dieser Frist ein
| Bild- oder Schallträger, auf dem der Vortrag oder die Aufführung
| festgehalten worden ist, veröffentlicht wird, fünfzig Jahre nach
| der Veröffentlichung. Die Fristen sind nach § 64 zu berechnen.

Dazu noch §66, Abs.1-2:
| § 66. (1) Wer ein Werk der Literatur oder Tonkunst vorträgt oder
| aufführt, hat mit den vom Gesetz bestimmten Beschränkungen das
| ausschließliche Recht, den Vortrag oder die Aufführung - auch
| im Falle der Sendung durch Rundfunk - auf einem Bild- oder
| Schallträger festzuhalten, diesen zu vervielfältigen und zu
| verbreiten. Unter der Vervielfältigung wird auch die Benutzung
| einer mit Hilfe eines Bild- oder Schallträgers bewirkten
| Wiedergabe des Vortrages oder der Aufführung zur Übertragung
| auf einen anderen Bild- oder Schallträger verstanden.
|
| (2) Bei Vorträgen und Aufführungen, die - wie die Aufführung
| eines Schauspiels oder eines Chor- oder Orchesterwerkes - durch
| das Zusammenwirken mehrerer Personen unter einer einheitlichen
| Leitung zustande kommen, können die Verwertungsrechte (Abs. 1)
| derjenigen Personen, die bloß im Chor oder Orchester oder auf
| ähnliche Art mitwirken, nur durch einen gemeinsamen Vertreter
| wahrgenommen werden.

HTH
Martin Pokorny
Werner Tann
2009-10-07 15:15:59 UTC
Permalink
Post by Martin Pokorny
Im Jahr 2060: 50 Jahre nach der Aufführung / Veröffentlichung, wobei das
Jahr der Veröffentlichung nicht mitzuzählen ist (UrhG §64).
Ah, danke, das ist schon etwas erhellender. Läßt aber trotzdem manches
offen. ;-)
Post by Martin Pokorny
| § 67. (1) Die Verwertungsrechte der im § 66 Abs. 1 und 5
| bezeichneten Personen erlöschen fünfzig Jahre nach dem Vortrag
| oder der Aufführung, wenn aber vor dem Ablauf dieser Frist ein
| Bild- oder Schallträger, auf dem der Vortrag oder die Aufführung
| festgehalten worden ist, veröffentlicht wird, fünfzig Jahre nach
| der Veröffentlichung. Die Fristen sind nach § 64 zu berechnen.
Heißt das, daß ein Wiederveröffentlichen jedesmal die Schutzfrist um
weitere 50 Jahre verlängert?! Leider steht da nur "wenn .. ein Bild-
oder Schallträger ... veröffentlicht wird", nicht steht da, daß
ausdrücklich nur die Erstveröffentlichung gemeint ist.

Beispiel:
Konzert am 7.7.1966
Erste Schallplatte 5.12.1966
Erste CD 4.5.1981
Remastered CD 7,7,2006

Zählen die 50 Jahre nun ab 5.12.1966? Oder ab 4.5.1981?
Die remastered Version gilt nicht als Ur-Version, oder? Sie dürfte
also, egal, wie man zählt, die Schutzfrist für die erste Schallplatte
nicht verlängern. Richtig?
Post by Martin Pokorny
| (2) Bei Vorträgen und Aufführungen, die - wie die Aufführung
| eines Schauspiels oder eines Chor- oder Orchesterwerkes - durch
| das Zusammenwirken mehrerer Personen unter einer einheitlichen
| Leitung zustande kommen, können die Verwertungsrechte (Abs. 1)
| derjenigen Personen, die bloß im Chor oder Orchester oder auf
| ähnliche Art mitwirken, nur durch einen gemeinsamen Vertreter
| wahrgenommen werden.
"Personen, die bloß im Chor oder Orchester oder auf ähnliche Art
mitwirken": damit sind vermutlich nicht Sologeiger oder
Klaviervirtuosen, namentlich aufgezählte Opernsänger usw. gemeint,
sondern das namenlose Heer der "gewöhnlichen" Orchestermitglieder?

Und abgesehen von Klassikorchestern, was ist mit einer
Elvis-Presley-Schallplatte von 1955? Das wäre mehr als 50 Jahre her.
Presley ist aber noch keine 70 Jahre tot, und natürlich wurde besagte
Schallplatte später als CD noch mehrmals veröffentlicht.
Wird Presley von 1955 legal verbreitet in den Tauschbörsen?
Livia
2009-10-07 16:21:25 UTC
Permalink
Post by Werner Tann
Und abgesehen von Klassikorchestern, was ist mit einer
Elvis-Presley-Schallplatte von 1955? Das wäre mehr als 50 Jahre her.
Presley ist aber noch keine 70 Jahre tot, und natürlich wurde besagte
Schallplatte später als CD noch mehrmals veröffentlicht.
Wird Presley von 1955 legal verbreitet in den Tauschbörsen?
Presley ist ja wieder personenbezogen:
wer hat das Lied geschrieben und wie lange hat der gelebt?
Da sind höchstwahrscheinlich Urheber als Personen gekennzeichnet.

Die Frage stellt sich vielleicht bei einer "muss i denn"-Aufnahme von 1955.

Livia
Martin Pokorny
2009-10-07 17:44:56 UTC
Permalink
Post by Werner Tann
Heißt das, daß ein Wiederveröffentlichen jedesmal die Schutzfrist um
weitere 50 Jahre verlängert?! Leider steht da nur "wenn .. ein Bild-
oder Schallträger ... veröffentlicht wird", nicht steht da, daß
ausdrücklich nur die Erstveröffentlichung gemeint ist.
IANAL, aber meiner Meinung nach kann eigentlich nur die
Erstveröffentlichung gemeint sein. Alles andere würde den Sinn des
Gesetzes konterkarieren.
Post by Werner Tann
Konzert am 7.7.1966
Erste Schallplatte 5.12.1966
Erste CD 4.5.1981
Remastered CD 7,7,2006
Zählen die 50 Jahre nun ab 5.12.1966? Oder ab 4.5.1981?
Veröffentlicht per Tonträger am 5.12.1966, also läuft die Schutzfrist am
31.12.2016 ab. Die weiteren Auflagen des Tonträgers (auch wenn sich das
Medium ändert) stellen aus meiner Sicht keine weiteren
Veröffentlichungen dar, die einen neuerlichen Start der Schutzfrist
rechtfertigen.
Post by Werner Tann
Post by Martin Pokorny
| (2) Bei Vorträgen und Aufführungen, die - wie die Aufführung
| eines Schauspiels oder eines Chor- oder Orchesterwerkes - durch
| das Zusammenwirken mehrerer Personen unter einer einheitlichen
| Leitung zustande kommen, können die Verwertungsrechte (Abs. 1)
| derjenigen Personen, die bloß im Chor oder Orchester oder auf
| ähnliche Art mitwirken, nur durch einen gemeinsamen Vertreter
| wahrgenommen werden.
"Personen, die bloß im Chor oder Orchester oder auf ähnliche Art
mitwirken": damit sind vermutlich nicht Sologeiger oder
Klaviervirtuosen, namentlich aufgezählte Opernsänger usw. gemeint,
sondern das namenlose Heer der "gewöhnlichen" Orchestermitglieder?
Ist für den Außenstehenden eigentlich ohne Belang, *wer* jetzt aller
Ansprüche geltend machen kann. Ich würde den Absatz jedoch schon so
interpretieren, dass bei einer Aufnahme, bei der mehrere Personen
miteinander aufgeführt haben, nur der gemeinsame Vertreter Ansprüche
geltend machen kann, gleich ob es sich um den Primgeiger, die Primadonna
oder um den Flötisten aus der hintersten Reihe handelt.
Post by Werner Tann
Und abgesehen von Klassikorchestern, was ist mit einer
Elvis-Presley-Schallplatte von 1955? Das wäre mehr als 50 Jahre her.
Presley ist aber noch keine 70 Jahre tot, und natürlich wurde besagte
Schallplatte später als CD noch mehrmals veröffentlicht.
Wird Presley von 1955 legal verbreitet in den Tauschbörsen?
Zunächst: Kompositionen, Bearbeitungen, Liedtexte u.s.w. haben andere
Schutzfristen (70 Jahre nach Tod des letzten Urhebers) als Aufführungen.

Es nutzt Dir nichts, eine über 50 Jahr alte Aufnahme zu haben, bei der
die zugrunde liegende Komposition bzw. Bearbeitung noch unter den
Urheberschutz fällt.

Elvis Presley hat zu >90% neue Werke interpretiert, die sind alle noch
geschützt. Die wenigen traditionellen Lieder, die von ihm aufgenommen
worden sind, sind größtenteils für die Aufnahme/Aufführung bearbeitet
worden, da ist dann die Bearbeitung geschützt.

Livia hat schon ein passendes Beispiel genannt, wo die Schutzfrist
möglicherweise schon abgelaufen ist.

lg
Martin Pokorny
Matthias Kahlert
2009-10-08 07:41:23 UTC
Permalink
Post by Martin Pokorny
Post by Werner Tann
Heißt das, daß ein Wiederveröffentlichen jedesmal die Schutzfrist um
weitere 50 Jahre verlängert?! Leider steht da nur "wenn .. ein Bild-
oder Schallträger ... veröffentlicht wird", nicht steht da, daß
ausdrücklich nur die Erstveröffentlichung gemeint ist.
IANAL, aber meiner Meinung nach kann eigentlich nur die
Erstveröffentlichung gemeint sein. Alles andere würde den Sinn des
Gesetzes konterkarieren.
Genau:

| Veröffentlichte Werke.
|
| § 8. Ein Werk ist veröffentlicht, sobald es mit Einwilligung des
| Berechtigten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist.

Das beschreibt den Zustand eines Werkes als nicht veröffentlicht oder
veröffentlicht. Ist es einmal veröffentlicht, kann sich dieser Zustand
durch spätere neuere Ausgaben nicht mehr ändern.
--
Matthias
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